"Sorgenbrecher sind die Reben" in Marbach

Literatur, Musik und Wein im Schlosskeller am 08-10-2004.

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Artikel aus der Marbacher Zeitung vom 12-10-2004 (transcribierte Version):



Musikalisch-kulinarischer Literaturabend im Marbacher Schlosskeller

Amüsant garniertes Erlebnismenü mundet

Kulturverein Südlich vom Ochsen und der Literatursalon Osterholz aus Ludwigsburg luden ein

Von -arz

MARBACH. Wenn guter Wein - wie in der Literatur behauptet – geradewegs in den Himmel führt, sind die Besucher im Schlosskeller diesem am Freitagabend ein gutes Stück näher gekommen. Zumindest haben sie einen genussvollen Abend erlebt, musikalisch unterhaltsam, literarisch amüsant mit kulinarischen Köstlichkeiten und erlesenen Weinen, die - so wusste schon Friedrich Schiller - alle Sinne erfreuen.

»Denn Sorgenbrecher sind die Reben« und dieses Goethe-Zitat lieferte das Motto für den literarisch-musikalisch -kulinarisch Abend. Dazu eingeladen hatte der Marbacher Kulturverein »Südlich vom Ochsen« gemeinsam mit dem Literatursalon Osterholz Ludwigsburg.

Das Ambiente war herbstlich einladend, der Keller zur festlichen Tafel dekoriert, in warmes Kerzenlicht getaucht - ein Augenschmaus. Wo die Zeit geblieben war, wusste nach gut dreieinhalb Stunden eigentlich niemand. Kurzweilig waren Menu mit lecker zubereiteten Köstlichkeiten serviert, unterhaltsam, locker garniert von Gedichten und Texten rund um den Wein, begleitet von virtuos gespielten Melodien des französischen Akkordeonkünstlers Michel Biehler, der liebliche und schwermütige Tänze und Lieder aus verschiedenen Weinbaugebieten Europas erklingen ließ.

Wenn's ums Schuften geht, lassen sich Weingärtner und Schriftsteller durchaus vergleichen, meinte der Germanist und Initiator des Literatursalons Osterholzallee Ingo Klopfer, der über einen langen Zeitraum eine Fülle von amüsanten und kurzweiligen Texten und Gedichten über Wein und Reben zusammengetragen hat und diese ebenso gekonnt und unterhaltsam vortrug. Gemessen am Durchschnittskonsum von Bier und Wein nehmen die Lyriker mit 40 Liter Bier und 260 Liter Wein eine Vorrangstellung ein Und eigentlich - so Ingo Klopfer - müsste ein Alkoholnebel die gesamte Literatur überziehen. Ob Goethe, Schiller, Lessing, Hesse, Mörike oder Rilke - sie alle haben über Wein geschrieben. Zwischen Kürbiscremesuppe, Blattsalaten und köstlicher Quiche Lorraine, Coq au vin(*), Käseplatte und Dolce zitierte Ingo Klopfer, was sie über das Trinken und den Wein zum Besten gegeben haben.

In der Historie von Noah erzählt August Kopisch »da griff der Herr ins Paradies und gab ihm einen Weinstock süß«; man erfährt, dass der fromme Mann später ein Weinfass nach dem andern ansticht und vernimmt die Lehre, dass ein guter Christ niemals »Wein mit Wasser mischt«. »Trunken müssen wir alle sein« meint Goethe, der sich. fragt, warum nur der Körper so durstig ist, woraus er folgert: Wenn man nicht trinken kann, kann man nicht lieben(**). Funkeln wie einen Sohn der Sonne sieht Friedrich Schiller den Wein und der Franzose Paul Leppin(***) weiß mit seiner Weinkarte der Liebe gute Ratschläge. Mit welchem Wein man wann die besten Erfolge erzielt - mit Rüdesheimer bei geistreichen Frauen etwa, oder mit elegantem Mosel bei klugen Damen, bei Ehepaaren In Scheidung mit einem Chablis und bei der eigenen Frau je nach Preislage. Ludwig Harig erkannte »im Rotwein wohnt die Wärme und das ewige Leben«. Dass die Türken schöne Töchter haben, gefiel G.E. Lessing - »doch die Türken trinken keinen Wein - nein, ich mag kein Türke sein« folgert er. Auch der Chinese Peh macht deutlich: »Ich trinke, bis ich nicht mehr kann. Und wenn ich nicht mehr trinken kann, dann schlaf ich lieber ein, was geht mich denn der Frühling an, lasst mich betrunken sein. « Und Lessing meint: »Ob ich morgen noch leben werde, weiß ich nicht, aber dass ich trinken werde, wenn ich noch lebe, weiß ich ganz gewiß.«

Ob guter Wein in den Himmel führt? Niemand weiß es. Gewiss ist, dass die gereichten Leckereien (der Dank ging an Birgit Lazaar) köstlich waren, dass der Service der jungen Damen flink und freundlich ausfiel und dass die vom Weingut Reinhard Schäfer in Kleinbottwar ausgesuchten Weine - ein Riesling Spätlese zur Suppe, ein Spätburgunder Spätlese trocken zu den Salaten und ein, Grauburgunder Spätlese trocken zur Quiche, ein Spätburgunder »S« Qualitätswein trocken zum Coque au vin(*), ein Lemberger Trollinger zum Käse und ein Traminer Auslese zur süßen Nachspeise -mundeten. Ein literarisch amüsant garniertes Erlebnismenü und eine erneut gelungene Kooperation des Marbacher Kulturvereins mit dem Literatursalon Osterholzallee.


(würde korrigiert: (*) statt "coque au vin" ; (**) statt "leben" ; (***) statt "Paul Pepin")


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Artikel aus der Marbacher Zeitung vom 12-10-2004 (gescannte Version):

Ingo Klopfer und Michel Biehler im Marbacher Schlosskeller

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