Thaddäus-Troll-Lesekonzert in Beilstein

Im Rathauskeller, Beilstein - Deutschland - 01-12-2007.

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Artikel aus der Heilbronner Stimme vom 5-12-2007 :

Warmherziger, musikalischer Thaddäus Troll

Von Ulrike Maushake

Beilstein. „Zletscht hot dr Herrgott s Schwobaland gschaffa ond sich drbei no amol gottsallmächtich miah gä“: So ein Satz lässt Mundartenthusiasten dahinschmelzen. Martin Hinze vom Kulturverein Oberes Bottwartal liest im Rathauskeller „O Heimatland“ von Thaddäus Troll, liest von „burga kircha kleeschter schlesser“, von „hoimelige neschter derfer hefter flecka äckerla wiesla burra hecka bächla gompa“ und man begreift, warum Walter Jens Thaddäus Troll als den letzten Sprachimpressionisten bezeichnete.

Neben Tucholsky

Gast dieses Abends ist Eleonore Lindenberg, Trolls langjährige Mitarbeiterin. Sie liefert einen biografischen Abriss, gespickt mit Anekdoten, erinnert an den Menschen Hans Bayer, der am 18. März 1914 als Sohn eines Seifensieders geboren wurde. Doktor der Philosophie, Journalist, „Spiegel“-Korrespondent, Mitarbeiter beim Kom(m)ödchen, Begründer des „Wespennests“. Sein Pseudonym Thaddäus Troll habe er gewählt, um in alphabethisch geordneten Bücherregalen links neben Tucholsky zu stehen.

Thaddäus Troll muss von der hoch gewachsenen, feinen Dame begeistert gewesen sein, die er 1966 zum Vorstellungsgespräch einlud, und die ihm, bis zu seinem Freitod 1980, als, so Troll, „getreue Sachwalterin“ zur Seite stand. Die sich jahrelang als Vorstandsmitglied im Förderkreis deutscher Schriftsteller für Autoren-Nachwuchs einsetzte und sich um Bayers literarischen Nachlass kümmert.

Satirische Texte

Musikalisch wird die Lesung von Michel Biehler ergänzt. Der gebürtige Franzose aus Ludwigsburg hat sein Akkordeon mitgebracht, das wiederum ein Italiener ist. Und was ein Franzose und ein Italiener aus dem schwäbischen Lied „Widele, wedele, hinter dem Städele“ machen, ist so überraschend, wie bezaubernd. Auch europäische Tänze begleiten die Lesung mit satirischen Texten, von Hinze wunderbar vorgetragen, in denen so liebevoll wie bösartig die schwäbische Seele bloßgelegt, aber nicht bloßgestellt wird. Heimat – aufs Korn genommen von einem, dessen Heimat die Sprache war.


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Artikel aus der Marbacher Zeitung vom 4-12-2007 :

Mundartlicher Genuss vom Cannstatter Schwaben

Martin Hinze rezitiert im Beilsteiner Rathauskeller Thaddäus Troll

Beilstein. Das Thaddäus-Troll-Lesekonzert im Beilsteiner Rathauskeller ist für das Publikum ein Genuss gewesen. Es stimmte alles: die Rezitation, das Porträt des Dichters und Menschen, das Eleonore Lindenberg zeichnete, und das Akkordeonspiel von Michel Biehler.

Von Luzia Grimm

Es war ein Samstagabend, der an Köstlichkeit nur schwer zu überbieten ist. Dabei ist die Idee für das Thaddäus-Troll-Lesekonzert erst vor vier Wochen am Stammtisch geboren worden. Das hat Isolde Kuny vom Kulturverein Oberes Bottwartal verraten. Der Verein hat den Abend in Szene gesetzt.

„Er bringt die Worte zum Leuchten“, hat einmal jemand über Hans Bayer, besser bekannt als Thaddäus Troll, geschrieben. Eleonore Lindenberg, die 14 Jahre lang bis zu Trolls Freitod im Jahr 1980 seine Sekretärin war, hat diese Worte zitiert. Sie hat im Rathauskeller ein wunderbares Porträt über den Menschen Thaddäus Troll gezeichnet, in dem selbst Troll-Kenner noch viel Neues erfahren konnten.

Ein Loblied für die gelungene Rezitation von Thaddäus Troll

Bayer wuchs im Stadtteil Bad Cannstatt als Sohn einer Familie auf, die in der Marktstraße ein Seifensiedergeschäft betrieb. Nach einer kurzen Volontärzeit bei der Cannstatter Zeitung studierte er in Tübingen, München, Halle und Leipzig Germanistik, Kunstgeschichte, vergleichende Literatur-wissenschaft sowie Theater- und Zeitungswissenschaft. Ein Kompliment hat Eleonore Lindenberg dem Rezitator Martin Hinze gemacht. Er halte dem Vergleich mit einem Staatsschauspieler stand, bloß habe sie bei diesem den schwäbischen Unterton vermisst. Hinze ist ein Eigengewächs des Kulturvereins, Beilsteiner und von Haus aus Ingenieur. Dass er Schwäbisch in Stuttgart gelernt habe, tat er schon gleich zu Beginn kund. „Ich liebe Troll“, hat er später in der Pause verraten.

Entrückt aus dem Alltag fand sich der geistreiche Troll in seiner Schwäbischen Weinprobe, in der auch die Grafen Adelmann und Bentzel-Sturmfeder samt einer Hohenbeilsteiner Trockenbeerenauslese vorkommen. Um entrückt zu sein beim Thaddäus Troll-Lesekonzert, hat es keines Weines bedurft. Vortrag und Musik, die angeregt schienen von der Dichtkunst, genügten. Ab und zu schien es, als lächle selbst Troll wohlgefällig von seinem gerahmten Porträtfoto aus der Kellerstufen-Kulisse herab.

Ein Elsässer wertet das Programm musikalisch auf

Es hätte ihm sicher gefallen, was Michel Biehler auf seinem Akkordeon an Melodien gezaubert hat. Bei „Rosenstock, Holderblüt“ und „Widele, Wedele“ summten die Troll-Entrückten im Rathauskeller mit. Und als von Grafen und Herzögen die Rede war, erklangen mittelalterliche Weisen. Biehler ist ein Franzose aus dem Elsass, den es nach Ludwigsburg verschlagen hat. Dort hat ihn der Kulturverein Oberes Bottwartal für sich entdeckt. „No miasset mer halt ens Elsass nüber“, heißt es in „O Heimatland“, in dem Troll gradraus Architekten, Kleinkarierte und „Liadriche“ dafür verantwortlich macht, was sie aus dem Schwobaland, dem Herrgott sein Paradiesgärtle, gemacht haben.

„O Heimatland“ nannte Troll auch sein Buch voller Verse in schwäbischer Mundart, bei denen jedem Schwaben das Herz aufgeht. Manchmal bleibt einem auch die Luft weg, weil er eben so saugrob wie zärtlich werden kann, wie Schwaben halt nun einmal sein können.

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